Heinrich von Wrede, wie gründet man eine Künstlerresidenz? (Künstler, Producer)

Shownotes

Mit Heinrich von Wrede, Producer des Podcasts, sprechen Albert und Louise über Kunst und ein ungewöhnliches Projekt: eine Künstlerresidenz im Schloss Willebadessen. Heinrich erzählt, wie die Idee für die Residency entstanden ist, wie er sie mit dem Kurator Victor Auberjonois (Passage.art) zusammen umgesetzt hat und was passiert, wenn Kunstschaffende für einige Wochen einen besonderen Ort zum Arbeiten bekommen. Dabei geht es auch um Heinrichs eigenen Weg zur Kunst, seine Ausbildung am Lette-Verein und sein bevorstehendes Kunststudium an der UdK. Er erzählt, was für ihn gute Kunst ausmacht und welche Rolle die junge Generation von Künstlerinnen und Künstlern für die Zukunft der Kunst spielt.

Die Residenz: https://passage.art/residency/

Instagram:

https://www.instagram.com/passage.residency/

Die momentane Ausstellung "Zwischen Bäumen" kurratiert von Victor Auberjonois:

https://villa-schoeningen.de/ausstellungen/

Transkript anzeigen

00:00:01: Kaffee und Fluchen, ein Podcast von Schidopolis.

00:00:14: Hallo Leute!

00:00:15: Wir begrüßen euch zurück aus der Sommerpause und starten heute mit einem ganz besonderen Gast.

00:00:21: Es ist nämlich ein Freund von uns und der Producer dieses Podcasts Heinrich Von Wrede.

00:00:27: wir freuen uns sehr dass du zugesagt hast.

00:00:30: Vielen Dank, ich freue mich auch sehr.

00:00:33: Heinrich ist nämlich im Hauptjob eigentlich Künstler und hat diesen Sommer ein ganz tolles großartiges Projekt ins Leben gerufen bei dem ich ihm auch einmal besucht habe.

00:00:45: und dann dachten sich Luise und Ich wir wollen dass er davon in unserem Podcast erzählt.

00:00:51: Und deswegen Heinrich erzähl uns mal was hast du?

00:00:56: Ja Ungefähr zweieinhalb Monate in meinem Heimatort Wille, bei dessen eine Künstlerresidenz aufgebaut.

00:01:04: und ja da sind für zwei Monate Künstlern hingekommen und haben dort gelebt und gearbeitet.

00:01:11: Was genau ist denn eigentlich eine Residency?

00:01:14: Wie kann man sich das vorstellen?

00:01:17: Ja letztendlich ist es ein bisschen wie eine Altersresidenzen nur für Künstlers Und normalerweise gehen die Leute da lebend wieder raus.

00:01:40: Da kommen Künstler hin, um an einem bestimmten Ort irgendwie mit guten Gegebenheiten, mit großen Studios arbeiten zu können und sich konzentrieren zu können oder sich in ihrer Arbeit weiterentwickeln können.

00:01:53: Was ist das Besondere an diesem Ort?

00:01:55: Kannst du beschreiben wie es dabei euch aussieht?

00:01:59: Und wo Willebert Essen ist?

00:02:03: Ihr kennt das nicht.

00:02:06: Ja, Wildebert-Essen ist in Ostwestfalen ziemlich mehr oder weniger in der Mitte Deutschlands und es ist eigentlich ein sehr ruraler Ort mit drei tausend Einwohnern zwischen Kassel und Paderborn.

00:02:21: Genau!

00:02:21: Sehr viel Wald liegt im Eckegebirge, ist sehr schön und dort steht eben das Schloss Wilbert Essen bzw.

00:02:30: das Kloster-Wilbert Essen und da haben wir die Künstler hineingeladen.

00:02:37: Du sagst so Kloster?

00:02:38: Warum ist es ein Kloster und wie ist die Geschichte dieses Schlosses?

00:02:45: Warum hast du einen Bezug dazu?

00:02:47: Warum hat deine Familie einen Bezug dazu?

00:02:48: Und wie ist der Ort dieser Residenzieh geworden?

00:02:53: Ich sag Kloster, weil es ursprünglich... Also, elfhundertneunvierzig wurde das glaube ich der erste Stein gelegt sozusagen und seitdem also seit achthundert Jahren wohnten da Nonnen drin.

00:03:05: Benediktina-Nonnen Und um dieses Kloster hat sich auch den Ort gegründet und meine Familie ist da zur Sikularisierung.

00:03:14: Achtzehnunddreißig war das glaub ich hingekommen und seit dem leben sie da und dann sind wir irgendwann ... aus dem Schloss ausgezogen.

00:03:24: Erst mal eingezogen, oder?

00:03:26: Ja genau also eingezungen haben da dann... Schon mit

00:03:28: der Sikularisierung.

00:03:29: Genau!

00:03:30: Mit der Sikkularisierung eingezugen haben da ein bisschen die Sitziger und die Nonnen sind... Die Nonnen haben tatsächlich

00:03:36: auch noch dort

00:03:37: parallel gelebt.

00:03:38: Also das Kloster ist es sind, weiß nicht, dreitausend Quadratmeter groß genug dass da auch Nonnen und Familie drin leben können.

00:03:49: Und jetzt sind die Nonneben Künstler.

00:03:51: Und

00:03:53: deine Familie wohnt nicht mehr drin?

00:03:55: Meine Familie wohnte nicht mehr drinnen und dann hat das eben verschiedene Stiftungen gehört Kulturprojekte gemacht, da hatte Jonathan Mese zum Beispiel nur eine Ausstellung.

00:04:06: Aber es wurde ehrlich gesagt alles so ein bisschen vernachlässigt und dann kamen da so ein paar merkwürdige Vorschläge was man da so machen könnte wie zb.

00:04:13: Dann kam jemand sagt lass uns doch einen alten Heim da rein bauen und dann kann man sich selber überlegen was mit einem kleinen Ort passiert.

00:04:19: wenn der größte Gebäude in diesem Ort die einzige Sehenswürdigkeit mehr oder weniger an Altenheim ist dann wird ziemlich trist.

00:04:33: vielleicht.

00:04:35: da sollten Menschen drin leben, die dieses Gefühl von einem Kloster oder von einem Schloss nutzen können.

00:04:43: Um damit weiterzukommen und darin zu denken und darinnen tolle Dinge zu produzieren oder tolle Erfahrungen zu

00:04:51: machen.".

00:04:53: Und das Schloss?

00:04:55: in was für ein Zustand ist es gerade?

00:04:58: Wie werden die Räume genutzt?

00:04:59: wie ist die

00:04:59: Aufreilung?".

00:05:01: Es ist jetzt nicht im perfekten Zustand, aber es ist auch keine Ruine.

00:05:05: Man kann darin leben – es gibt fließend Wasser, es gibt Duschen.

00:05:07: Jetzt haben wir ungefähr zehn Ateliers und zehn Schlafzimmer.

00:05:12: Das heißt, wir laden ungefähr, wir haben immer so circa fünf Künstler auf einmal damit's nicht zu eng wird.

00:05:21: Und jeder Künstlerin bekommt ein Schlaf Zimmer und einen Atelier und die Ateljes können sie sich aussuchen je nach Bedarf also... wenn man große Formate malt oder irgendwie Tanz macht, Musik dann wird halt nach dieser Notwendigkeit entschieden was für natürlich jemand bekommt.

00:05:42: Und wie entscheidet ihr welche Künstlerinnen und Künstlern bei euch in die Residenz kommen dürfen?

00:05:48: Also was sind die Kriterien das man damit machen kann?

00:05:52: Da haben wir einen Open Call Der ist, den haben wir im Internet geschaltet und auf Instagram irgendwie Werbung dafür gemacht.

00:06:04: Und da haben sich lauter Leute beworben.

00:06:06: Da waren wir fast überrascht dass so viele Menschen sich beworfen haben direkt zum ersten Mal... ...und dann haben wir ein Gremium was darüber entscheidet.

00:06:16: das war jetzt dieses Jahr.

00:06:17: Zum ersten mal waren es Victor und ich.

00:06:20: Und nächstes Jahr kommt vielleicht noch jemand dazu.

00:06:25: also da wollen wir eigentlich noch jemanden mit rein nehmen.

00:06:28: Vielleicht

00:06:29: kannst du uns noch ganz kurz sagen, Victor ist der mit dem Du das zusammen machst und was ist dessen Background?

00:06:37: Victor Oberjournois.

00:06:38: Das ist mein Partner in der ganzen Sache und ein Freund von mir, mit dem ich das eben zusammen begonnen habe.

00:06:46: Victor ist Kurator aus Berlin eigentlich sehr Schweizer aber lebt in Berlin ... zwei Jahren glaube ich mittlerweile Passage.

00:07:00: Und Victor und ich haben uns hier mal in der Kunstszene, wir haben mal für die selbe Galerie gearbeitet.

00:07:04: so haben wir uns kennengelernt... ... und genau Victor kuratiert Ausstellungen jetzt unter anderem zum Beispiel in der Villa Schöningen, die jetzt am fünften September beginnt.

00:07:18: Da müsst ihr unbedingt hin.

00:07:19: da hängt auch ein Bild von mir übrigens!

00:07:22: Das wird bestimmt toll.

00:07:25: Kann man meinen Team ausflug machen?

00:07:27: Da machen wir dann mal ein Teamausflug, wo dann die Spesen von der Firma übernommen werden.

00:07:37: Genau und Victor ist letztendlich auf mich zugekommen nachdem er von diesem Ort gehört habe weil ich immer eigentlich unofficiell darin gearbeitet hab mit meinen Freunden und diese Räume genutzt zu malen und was auch immer zum schreiben.

00:07:58: Und dann hat Victor mich gefragt, wollen wir das nicht richtig groß machen?

00:08:02: Wollen wir da nicht nur offizielle Residenz draus machen?

00:08:06: Wie kann man sich das vorstellen wenn Künstlerinnen und Künstlern zu euch kommen so wie verändert sich deren Arbeit dadurch dass sie bei euch sind?

00:08:21: Erstmal muss überhaupt nichts sich verändern, also es kann auch einfach alles so sein wie's ist und die Leute können einfach ihre Serien weiter malen oder irgendwie eine Performance vorbereiten oder Lieder schreiben.

00:08:35: Aber was wir gemerkt haben ist dass diese ruhige Umgebung und letztendlich auch die klösterlichen Räume des Schlosses Die schlösslichen Räume des Kloster-Sies auch gibt.

00:08:55: Die laden ein zum Denken und zum Produzieren, um zum Zweifeln und zum Diskutieren.

00:09:06: Wenn du mal einen Scheiß Tag hattest und gescheitert bist ... Dann kannst du nicht einfach in eine Bar gehen und dir da irgendwie dich betrinken oder so, sondern dann hast du nur den Wald.

00:09:20: Und dich und die anderen Leute, die da sind... Das ist

00:09:23: toll!

00:09:23: Also ihr habt euch gar nicht betrunken da?

00:09:32: Diese Frage werde ich nicht beantworten.

00:09:36: Doch klar.

00:09:42: Wir haben es am Anfang immer so gesagt, die Leute können so viel Privatsphäre oder in der Einsamkeit sein wie sie wollen und so viel sozial sein.

00:09:54: Ich habe dich da ja auch besucht und war ein paar Tage da und es gibt einen Hauptaufenthaltsraum riesengroßes Wohnzimmer was superlässig eingerichtet ist.

00:10:05: Ihr könnt euch das alle eh auf Instagram anschauen.

00:10:08: Wir verlinken das unten in den Show-Notes, wo man dann immer abends zusammen saß und gegessen hat.

00:10:15: oder ihr habt auch Filme geschaut oder euch Gedichte vorgelesen oder also so... Wo dann abends auch auf der Austausch stattgefunden hat nicht?

00:10:25: Also so

00:10:26: Ja ja, dass ist eigentlich ein echt wichtiger Raum, wo alle Dann, wie du schon erzählt hast, da sind die Leute zusammengekommen.

00:10:38: Der Prokul Negotis von dem sprichst du?

00:10:41: Erzähl' die Geschichte!

00:10:42: Warum heißt der Prokule Negotid?

00:10:44: Heinrich ist sehr stolz auf diesen

00:10:46: Namen.

00:10:48: Das kommt tatsächlich daher... ich bin kein Lateiner.

00:10:56: Ich hab Buddenbrox gelesen von Thomas Mann und da gibt es ja den Charakter grünlich der die Tony Buddenbrock heiratet und dann möchte Tony Budnenbrock unbedingt eine Wohnung in Hamburg haben.

00:11:12: Und Grünlich hat ne andere Vorstellung und sagt, nee ich möchte gerne in den Elbverordnungen einer Villa leben.

00:11:19: Prokul Negotis.

00:11:22: Fern vom Geschäft bedeutet das!

00:11:25: Das ist der ganze Satz lautet eben Beartus Illekhi prokul negotis.

00:11:31: Es ist aus einem Gedicht von Horatz.

00:11:33: Und das bedeutet, glücklich ist jener der fern vom Geschäft ist und dass es sozusagen erstens die Idee von diesem Raum und aber ausgebreitet auch noch Die Idee von der ganzen Residenz weil Darum geht es uns schon in gewisser Weise, dass man sich nicht überlegt Wann ist meine nächste galerie show Wie verkauf ich das nächste bild oder wer kauft mein nächstes bild sondern soll sich einfach nur auf die Arbeit und aufs Denken, und auf's Miteinander reden.

00:12:05: Nur auf die Kunst!

00:12:07: Und nicht auf den Markt...

00:12:11: Glaubst du die meisten von euren Künstlerinnen und Künstlern haben das auch beherzigt?

00:12:18: Sind die Produktiver gewesen als sonst?

00:12:21: Was haben die daraus gemacht?

00:12:22: Was war so deine Erfahrung jetzt?

00:12:23: Ja ich glaube schon es gibt.

00:12:28: Es ist unterschiedlich natürlich.

00:12:29: Manche Künstler, manch Leute waren einfach auch da und haben sich so gefreut darüber dass sie mal auf dem Land sind das die erste Woche dann erstmal nur gar nicht gearbeitet wurde.

00:12:42: aber es ist auch okay Aber... Das Feedback was ich bekommen habe war Ich hab hier doppelt so viel gemalt wie sonst oder ich hab hier auch gar nicht gemalt bis zu die letzte Woche und dann ist die Idee gekommen.

00:12:59: Und also dass das Konzept funktioniert, das ist klar.

00:13:03: Das haben wir uns gesagt und das merke ich echt gesagt auch selber.

00:13:10: Was passiert wenn man jetzt so unterschiedliche Künstlerinnen und Künstlerin auf einen Raum packt?

00:13:15: Also die aus unterschiedlichen, was heißt Branchen aber Gestaltungsrichtungen kommen wie beeinflussen sie sich dann gegenseitig?

00:13:24: Ja Das ist natürlich auch schön daran.

00:13:28: Wie oft passiert es, dass so viele unterschiedliche Disziplinen aufeinandertreffen?

00:13:36: Bei uns ist das auf jeden Fall so.

00:13:37: Wir haben Maler, wir haben da gehabt, wir hatten Performance-Künstler, Konzeptkünstler und Musiker innen.

00:13:47: Dann hatten wir eine Schriftstellerin da.

00:13:51: Also wirklich viele... Disziplin treffen aufeinander und fangen an, auch über deren Arbeit zu diskutieren.

00:14:01: Und wir haben für jeden Künstler ein Kolokfium einmal in der Zeit, in der sie da sind.

00:14:06: Da wird dann über die Arbeit gesprochen.

00:14:09: Das ist echt schön zu sehen dass die Leute, die vielleicht nicht im bildenden Kunstbetrieb sondern eher im Schreiben sind das die ganz anders auf die Arbeit der Maler schauen.

00:14:20: Ich glaube das ist auch nochmal ein richtig wertvoller Punkt, dass dieser Austausch stattfindet.

00:14:25: Du selber bist ja auch Künstler und hattest aber gleichzeitig diese Zwitterrolle als Organisator der Residency.

00:14:34: Ist dir das manchmal schwer gefallen?

00:14:37: Dass du eigentlich auch gerne produktiv wärst, aber halt so viel organisatorisches zu tun hattet oder fandest ganz cool.

00:14:45: mal so diese Außenperspektive auf die Künstlerin und Künstlern?

00:14:50: Ich glaube, letzteres.

00:14:53: Also erstens war ich von Anfang an auch um nichts zu entwickeln und ich habe da echt lange vorbereitet und haben da irgendwie Böden eingebaut in bestimmten Räumen und da Möbel herumgeschoben und geschaut ob die Elektrizität funktioniert.

00:15:16: In dieser Zeit wurde unser Podcast langsamer, als sonst ...

00:15:25: Ich glaub mir ist das recht leicht gefallen.

00:15:26: Weil ich erstens auch, man ist dann auch also ich als keine Ahnung, als Direktor der Sache war einfach, ich wollte einfach dass es klappt.

00:15:38: und ich glaube eine der wichtigsten Sachen dabei ist wenn man so ne ... Residenz leitet vor allem so viele Menschen auf einem Raum sind es, dass man... ... das jeder Mensch sich wohl fühlt.

00:15:49: Weil nur wenn du dich wohl fühlst,... ... kannst du auch... ... gute Arbeit machen und deshalb... ... beansprucht einen diese Rolle auch schon sehr.

00:15:59: Jetzt nach dem Sommer beginnst du ja auch an der UDK dein Studium Kunst?

00:16:04: Wie bist du überhaupt zur Kunst gekommen?

00:16:09: Und hast gerade deine Ausbildung am Letteverein...?

00:16:12: Fertig abgeschlossen als Fotograf?

00:16:15: Genau.

00:16:20: Ich glaube, ich habe schon immer viel gezeichnet und gemalt.

00:16:29: Dann habe ich irgendwann mit der Fotografie begonnen... ...und wollte dann Modefotograf werden.

00:16:37: Und das hat sich dann irgendwie dahin entwickelt, dass ich immer mehr mir gedacht habe.

00:16:40: Eigentlich habe ich überhaupt keine Lust!

00:16:44: für irgendjemanden zu arbeiten und irgendwelche Kampagnen zu fotografieren.

00:16:47: Es hat mich einfach nicht interessiert, diese Drops zu machen.

00:16:51: Und dann in der Zeit, an der ich in einer Galerie gearbeitet habe bei Contemporary Fine Arts hier in Berlin... ...und dem Bruno Brunett assistieren durfte, eigentlich hat mich so seine bodensständige Haltung zur Kunst total inspiriert weil ich dadurch gelernt hab dass das Eine Sache ist die, die nichts mit irgendwie Erhöhung oder so zu tun hat und mit Profilierung.

00:17:23: Das ist nicht solitäre sondern das ist eine Geste, die im Menschen immer nennt ist Kunst zu machen.

00:17:31: Die Zeit war sehr wichtig für mich und seitdem habe ich gemerkt, dass ich Künstler werden

00:17:37: will.

00:17:38: Warum?

00:17:40: Wie schafft man es, dass Kunst bodenständig bleibt?

00:17:42: Also warum ist es so oft doch selbst Inszenierung oder Selbstdarstellung?

00:17:46: und wie kann man das vielleicht auch im Rahmen von einer Residenz versuchen zu erreichen.

00:17:59: Ja ich glaube der Anspruch daran oder dass das auf jeden Fall vielleicht nicht bodenständig, aber eine ehrliche Auseinandersetzung mit sich selbst ist und nicht dazu gemacht wird um sich irgendwie zu überhöhen sage ich einfach mal.

00:18:16: Ich habe gerade in einem Buch gelesen da wurde die Frage gestellt es ist Kunst oder ist Kultur ein Ausdruck der Überhebung oder Überhöhung?

00:18:25: Oder ein Medium des Zweifelns?

00:18:26: und das fand ich eigentlich echt toll weil Diese Frage wird immer wichtiger, dass wir sie uns stellen.

00:18:34: Vor allem in der Zeit von Social Media und so wo es letztendlich auch ganz geil aussieht wenn du Künstler bist und wenn du auf Insta irgendwelche Bilder hoch lädst die du gemalt hast oder so dann kriegste vielleicht viele Likes.

00:18:51: Ich glaube wie man das schafft ist einfach... Das ist glaube ich die Aufgabe der Künstlern.

00:18:56: Da müssen sich die Künstlers fragen Wenn die ehrliche Arbeit machen, dann bleibt sie auch bodenständig oder dann bleibt Sie eher vielleicht auch relevant.

00:19:11: Ich meine, bodenständig ist eher eine Haltung zur Kunst.

00:19:14: Vielleicht anstatt die Kunst selbst...

00:19:19: Und was macht für dich gute Kunst aus?

00:19:27: Ja das ist ne gute Frage!

00:19:29: Ist auch ne große Frage.

00:19:30: ich glaube weiß gar nicht ob ich... Du

00:19:32: wirst hier heute lösen

00:19:33: können.

00:19:36: Ich heime, ich rede.

00:19:37: Können wir da jetzt einen Cut machen und zu den Premium-Abonnenten weiterleiten?

00:19:44: Für fünf Euro habt ihr die Antwort.

00:19:46: Für zwanzig Euro im Monat!

00:19:53: Da gibt es ja viele Ansätze und ich glaube auch nicht dass ich das allein beantworten kann.

00:19:58: Die Frage muss man sich immer wiederstellen.

00:20:03: Die entwickelt sich, glaube ich.

00:20:05: In der Zeit in der man sich mit Kunst auseinandersetzt Man könnte jetzt... Ich meine Nietzsche hat mal gesagt Wir brauchen die Kunst um nicht an der Wahrheit zugrunde zu gehen.

00:20:25: Das hätte auch von dir kommen können

00:20:30: Und ich würde es jetzt einfach

00:20:31: mal

00:20:32: ganz bescheiden Mit Nietzches Worten beantworten.

00:20:36: Genau, ich glaube Kunst stellt... Wenn man sich Kunst anschaut und wenn man gut Kunst sieht dann stellt die neue Fragen oder wirft neue Perspektiven auf.

00:20:49: Und die hilft dabei mit dieser merkwürdigen Existenz, die wir hier auf der Welt dann doch verbringen auseinanderzusetzen.

00:20:59: Ich glaub das ist gute Kunst!

00:21:02: In der Residenz waren ja vor allem junge Künstlerinnen und Künstlern, also ihr habt die meisten hatten schon ein fertiges oder abgeschlossenes Studium.

00:21:12: Die wenigsten waren noch Studierende.

00:21:16: Wie hast du diese Generationen?

00:21:17: Diese junge Generation von Künstlerin und künstlernen wahrgenommen?

00:21:21: wie unterscheidet sich die jungen Generation von früheren künstler generation?

00:21:28: Ich glaube das ist nochmal so eine große Frage Und eine gute ...

00:21:35: Du kannst es auch konkret an denen machen, die ihr jetzt da hattet.

00:21:40: Wie dein Eindruck da war?

00:21:41: Ich glaube wir haben's nicht leicht als Künstler heutzutage und das... Wir müssen uns in einer... Wir haben's genauso nicht leicht wie alle anderen Menschen, die versuchen irgendwie sich in dieser neuen Entwicklung von dem AI-Zeitalter neu zu positionieren.

00:22:07: Und ich denke, da kommt es auch sehr aufs Medium an und ich glaube dass man das mit zwei Punkten beantworten kann.

00:22:17: Auf der einen Seite ist es glaube ich wichtig, dass wir uns als Künstler immer wieder daran erinnern auch einfach die Dinge zu tun, die für uns natürlich erscheinen.

00:22:28: also Es bringt nichts irgendwelchen Versuchen hinterher zu rennen, die Welt irgendwie zu fassen.

00:22:38: Robert Rauschenberg hat gesagt dass er hat gesagt es ist irgendwie so wie das ist die Artist-Taske oder auch der Mensch-Task in general um den Zeit und Historie zu widmen.

00:22:53: Und vielleicht bringt es das auch ganz gut auf einen Punkt.

00:22:57: Ich frage mich manchmal, was suchen wir eigentlich im Vergleich zu den zum Beispiel Künstlern nach dem zweiten Weltkrieg die hier in Deutschland irgendwie Baselitz oder wer auch immer.

00:23:08: Die versucht haben irgendwie die deutsche Identität zu formen und diese Lehrstelle von Identifikation irgendwie zu füllen.

00:23:21: So eine Aufgabe haben wir heutzutage nicht und uns geht es allen ziemlich gut.

00:23:29: Da muss sich die Kunst umso mehr die Frage stellen, wo gehen wir eigentlich hin?

00:23:34: Aber wohin das geht und wie sich die junge Generation unterscheidet.

00:23:38: Das weiß ich nicht aber Ich bin gespannt es selbst rauszufinden.

00:23:43: auf meinem liebensweg.

00:23:45: Ja

00:23:47: Du hast ja selber gesagt Es gibt theoretisch jetzt wieder hat man das Gefühl tausender Themen Die unsere generationen besetzen kann.

00:23:57: Eigentlich ist es ja jetzt wieder so eine Zeit der großen Krisen, auf dieser Welt.

00:24:02: Es war fast schon eine Überschüttung von Krisen.

00:24:07: Mir ging's jetzt noch nicht so... Sitz in der S-Bahn, man sieht, USA hat wieder irgendein Angriff gestartet und ich war so okay!

00:24:15: Ich habe es gar nicht mehr als irgendwas Schlimmes überhaupt registriert sondern das war einfach wie, wer würde da Reklame stehen?

00:24:23: Und eigentlich Ja oder ich frage mich gerade so ein bisschen, was das für eine Auswirkung

00:24:29: hat.

00:24:29: Nur vielleicht ist es natürlich einen Unterschied, dass die Kunst als Art der Auseinandersetzung damit nicht mehr die gleichen Mittel hat zu provozieren und schocken.

00:24:47: Also den Schock in der Kunst gab es schon in jeder Form.

00:24:51: Jetzt kommen neue Krisen Und wir wissen aber nicht mehr, wie wir schocken sollen.

00:24:58: Weil das Theater findet auf den politischen Bühnen statt.

00:25:01: Also man hat irgendwie Trump oder wie noch immer die... Da kann doch kein Künstler mehr irgendwas provozieren wenn man mal sieht was die da für eine Scheiße labern.

00:25:12: und deshalb sind wir glaube ich vielleicht, kann man das so sagen?

00:25:18: Wir sind irgendwie in einer Entwicklung, die man vielleicht neuromantisch nennen könnte, dass sich die Künstler auch oder die Leute zurückziehen und einfach nur auf ihr Medium konzentrieren.

00:25:31: Und irgendwie in so einer totalen Ablehnung gegenüber der Politik leben sollten.

00:25:42: Aber das ist meine Idee dazu.

00:25:47: Das kann sich jeder so überlegen wie er will...

00:25:51: Ungewöhnliches Schlusswort für unseren politischen Podcast, dass wir uns weg bewegen von der Politik.

00:25:58: Aber es stimmt wahrscheinlich das deine Wahrnehmung berechtigt ist, dass sich viele zurückziehen angesichts der ganzen Krisen die täglich in den Nachrichten stehen.

00:26:10: Wir haben uns auf jeden Fall riesig gefreut, dass du bei uns warst und mal auf der anderen Seite des Mikrofon gesessen bist.

00:26:20: Ich folgt alle auf Instagram.

00:26:23: Passage Residency.

00:26:26: Es ist ein sehr, sehr cooles Projekt.

00:26:27: Nächstes Jahr soll es weitergehen wieder über den ganzen Sommer ich glaube noch viel mehr Monate als dieses Jahr.

00:26:34: Alle Künstlerinnen und Künstlern bewerbt euch!

00:26:38: Es können sich alle bewerben und das ist ein wirklich besonderer Ort.

00:26:42: Ich fand's eben so, so cool als ich dabei war.

00:26:45: Und ich glaub ihr könnt richtig stolz auf euch sein.

00:26:48: Du weißt als unser Producer, dass es am Ende immer den Musikwunsch gibt.

00:26:53: Welches Lied wünscht du dir und warum?

00:26:57: Ja vielen Dank erstmal das ihr mich da hattet.

00:26:59: Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich glaube ich wünsche mir in Dreams heißt es glaube ich von Roy Orbison weil wir das sehr viele in der Residenz gehört haben und das ein fantastischer Song ist.

00:27:14: Okay dann hören wir das jetzt an.

00:27:16: Wir entlassen alle in

00:27:21: unserem traumhaften Gast.

00:27:44: Ja, wir entlassen unseren traumhafen Gast.

00:28:51: Schön, dass du da warst.

00:29:05: Danke euch!

00:29:09: Ciao!

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